28. April 2004

Kleeblatt Versand

Heute erhielt Schwesterchen einen Brief mit einer "Letzten Anweisung für Ihren Gewinn-Abruf". Ihre Gewinnnummer hatte nämlich Glück und brachte ihre einen "Anteils-Gewinn aus der großen 1.618,00 Euro Super-Jackpot-Vergabe"! Toll, oder? 1618 Euro! Da freut man sich. Besonders, wenn man nicht mitgespielt hat.
Wie stets ist der Teufel im Detail: schauen wir mal genauer nach, was hier der Kleeblatt Versand aus Graz durch die Bundesrepublik schickt.
Zunächst mal ist das ganze nicht durch einen Notar, sondern durch einen offiziellen Rechtsberater bestätigt. Nein, nicht, dass ich glaube, der Kleeblatt Verlag würde hier lügen und betrügen, und deswegen nicht einmal einen richtigen Notar hinzuziehen - beileibe nicht! Eher, dass ein Notar wohl zu teuer gewesen wäre, und die ganze Aktion ja - wie es in den Regeln ausdrücklich steht (die in unleserlichen Majuskeln in Hellgrau auf der Rückseite des zweiten Blattes stehen) - "zum Zweck der Gewinnung von neuen Kunden und Interessierten durchgeführt", und die Aktion natürlich am Besten so billig wie möglich sein soll.

"Wie aber?", fragt man sich. "Ich habe doch gewonnen! Ich brauche nur diese 0190er Nummer anrufen, und ich kriege meinen Gewinn!" - ja, schon. Dieser Gewinn aber ist ein Anteil der 1618 Euro. Und der Anruf geht an eine 0190er Nummer, die 1,86 Euro die Minute kostet. Lassen wir den Anruf, sagen wir mal, sechs Minuten dauern (ist nicht lang: Buchstabieren des Namens, der Adresse, es wird nach ein paar Daten gefragt, die im Brief verteilt sind, vielleicht am Anfang noch ein wenig - ebenso zahlungspflichtige, musikuntermalte "Bitte Warten"-Schleifen - und prompt sind 10 Euro unterwegs.
"10 Euro? Das ist doch OK, wenn man 1618 Euro bekommt. Ich meine, die habe ich doch sicher!" Falsch! Man hat einen Anteils-Gewinn an den 1618 Euro erhalten. Das heißt, wenn nur 1000 Leute aus ganz Deutschland anrufen - eine lächerlich kleine Zahl bei einer so überzeugend wirkenden Gewinnmitteilung - bekommt jeder 1,61 Euro. Das heißt, jeder - bis auf den Kleeblatt-Versand. Der kassierte durch die Anrufe über 10.000 Euro.

"Aber wenn das jetzt bekannt ist, dann rufen doch weniger an, und mein Anteil wächst" - oder alternativ "Der macht das doch nur, um seinen eigenen Anteil zu erhöhen, und will, dass wir alle nicht anrufen!" Hier kämen wir in ein klassisches Problem der Spieltheorie: machen wenige mit, ist der Gewinn des Einzelnen größer, aber wenn viele mitmachen etc. Dazu gibt es ausreichend theoretische Texte, ich will hier nicht weiter darauf eingehen.
Zumal das hier nicht zutrifft: ich kann mit Nodix gar nicht die Massen erreichen, welche diesen Gewinn-Abruf erhalten, dazu habe ich schlicht nicht die Reichweite. Ein paar hundert Leser am Tag, das ist nicht das Ding.
Zweitens: ich werde nicht teilnehmen (weil ich ja gar keine Einladung erhalten habe) und ich werde auch Schwesterchen davon abraten. Ich schreibe das also nicht aus persönlichem Interesse, zumal, wie eben gesagt, dass auch nicht wirklich helfen würde.

Alles, was ich mit diesem Beitrag wollte, ist auf die schiere Frechheit zu verweisen, mit der hier Gutgläubigkeit ausgeschlachtet wird. Der Kleeblatt Versand missbraucht hier, um an bestätigte Adressen zu gelangen - nichts Anderes ist ihr Ziel - die Naivität der Leute. Dies führt zu mehr Misstrauen in der Welt. Nein, es ist kein Betrug, glaube ich - ich bin kein Rechtsanwalt - weil alle Informationen ja korrekt da stehen. Sie sind aber irreführend, und ich bin mir sicher, dass jeder Teilnehmer mit einem wesentlich größeren Gewinnanteil rechnet, als den, den er erhalten wird.
Natürlich, wie stets gilt: "Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Teilnehmer oder Dritte können nicht auf die Zuteilung eines bestimmten Gewinnes klagen. Jeder Teilnehmer bestätigt mit seiner Teilnahme, dass er die Teilnahmebedingungen gelesen und verstanden hat, anerkennt und akzeptiert."
Wozu also noch beschweren?

Ich würde mich freuen, wenn ihr diesen Beitrag verlinkt, wenn ihr die Möglichkeit habt. Auch dürft ihr ihn kopieren und sinnerhaltend kürzen und widergeben, solange mein Name oder ein Link hierher angegeben ist. Auf so einen Schmarrn - wie man in Graz sagen würde - sollte man deutlich hinweisen!
Danke.

Lautlos

aus der Reihe Filme in 50 Worten

Ein Serienkiller. Ein absoluter Profi, der seit seinem 10. Lebensjahr mordet. Der keine Spuren hinterlässt. Der sich dummerweise in eine im Schlaf summende Frau verliebt, und ihr dann nicht nur nicht das Leben nimmt, sondern auch noch das ihre rettet, damit sie ihm das seine retten kann. Doch die Polizei ist hinter ihnen her, darunter auch ein ausgebuffter, mit geradezu übersinnlich erscheinenden Fähigkeiten ausgestatteter Kommisar, der immer die richtige Theorie tippt. Wird er ein neues Leben beginnen können, oder wird ihn seine Vergangenheit einholen?

Joachim Krol spielt den emotionslosen Killer perfekt. Selbst wenn er sich verliebt, ist er vollkommen überzeugend emotionslos. Die Vorschau auf diesen Film hat so gewirkt, als ob nach Lola rennt, Goodbye Lenin oder Liegen Lernen mal wieder ein überraschend guter deutscher Film ins Kino rollt, der Germanikus ungeschehen macht. Nö. Ich meine, er ist besser als Germanikus, ja, aber das sagt mehr über Germanikus als über Lautlos. Die Liebesgeschichte scheint vollkommen unmotiviert, und außer ein halbes Dutzend guter Dialogzeilen wird in dem Film gar nichts geboten. Lautlos ist Aktionslos, Spannungslos, Herzschmerzlos und Humorlos. Das witzigste an dem Film ist noch das nach Specht klingende Instrument des Soundtracks.
Also, nicht dass er grottig schlecht ist. Aber ich freue mich doch sehr, dass es eine kostenlose Preview des Filmes war, und nicht etwa eine Samstagabendfastzehneuroteurevorstellung.
Nee, Liebesgeschichte und Polizeiarbeit vermengt zur Zeit das schon laufende Taking Lives wesentlich besser als Lautlos.

27. April 2004

The girl next door

Wieder mal in der Sneak Preview gewesen, und deswegen, gleich für die werten Leser, ein weiterer Beitrag in der überraschend beliebten Reihe Filme in 50 Worten

Ein Junge in der Abschlussklasse, der nicht zu denen dazugehört, die In sind. Nebenan zieht ein wunderschönes Mädchen ein, die auch noch mit ihm ausgeht. Ob mangelnder Alternative verliebt er sich unsterblich in sie - und erfährt dann, dass sie ein Pornostar ist!
Wie in Liebeskomödien üblich, stellt der davor so besonnene Held der Geschichte eine unvorstellbare Anzahl immer größer werdender Dummheiten an, um sie zu gewinnen, und um sich aus dem Schlamassel zu befreien, in das er sich dadurch bringt. Dies gelingt natürlich nicht, bietet dem Zuschauer aber viel Gelegenheit zu lachen.

Überraschend lustiger Film, dem es gelingt, trotz des schlüpfrigen Themas nicht selber ins Schlüpfrige abzugleiten, mit einigen interessanten Ideen und Darstellungen derselben. Dieser Film ist zwar kein Muss (wie der zuletzt rezensierte), aber man er ist mehr als OK. Eine Liebeskomödie, die es schafft, tatsächlich auf das Lustige abzuzielen, statt auf die Tränendrüse. Lasst die Taschentücher zu Hause (Achtung! Ob des Themas war der Spruch zweideutig!)

24. April 2004

Marketing

Das nenn ich mal Cross-Marketing par excellence: passend zum aktuellen Film von Mel Gibson gibt es jetzt sogar das dazugehörige Getränk, Fanta Citrell Passion Fruit.
Und wenn wir schon bei dem Film sind: bei so einem Erfolg muss es doch auch eine Fortsetzung geben. Wie wäre es mit Christ 2: Resurrection oder Christ II - Judgement Day?
Nur so Ideen...

Apropos, ich habe die Passion immer noch nicht gesehen. Niemand in Stuttgart, der rein möchte? Melde Dich!

22. April 2004

Kill Bill Vol. 2

Huch. Gestern wollte ich eigentlich in Kill Bill Vol. 1 - stattdessen rutschte ich in Kill Bill Vol. 2. Macht nichts, dacht ich mir, habe ich hier halt im Rahmen der Filme in 50 Worten, voller stolz...

Ein Film, wo ich von der Story noch weniger verraten darf als sonst, sonst werde ich womöglich geköpft. Und das ist bei den potenziellen Zuschauern dieses Filmes nicht aus der Luft gegriffen! Wer Teil 1 geliebt hat, der wird auch Teil 2 mögen! Megacoole Actionszenen. Heiße Musik. Wunderschöne Aufnahmen. Geradlinger (für einen Tarantino, meine ich) Handlungsbogen. Schnelle Duelle. Was den Inhalt angeht: nun ja, der Titel verrät eigentlich schon ziemlich alles...

Kurz: wer Teil 1 gesehen hat, weiß eh, ob er hier reingeht oder nicht. Wozu also noch groß rezensieren?
Das einzig überraschende mag sein, dass der Film - ein zweiter Teil, wohlgemerkt - ab 16 Jahren freigegeben ist, während der erste ab 18 war.

21. April 2004

Taking Lives

Ach, wie peinlich. Im gestrigen Eintrag waren gleich zwei (nunmehr korrigierte) Fehler. Die Hauptdarstellerin ist nich Judd (eigentlich Jude) Law sondern Ashley Judd, und der bessere Film des Genres heißt nicht Taking Lifes sondern Taking Lives. Danke an Kai und Ralf für die Hinweise! Als kleine Gegenleistung gibt es genau diesen Film als weitere Folge aus der Reihe Filme in 50 Worten

Wollten wir nicht schon immer mal jemand anderes sein? Wo wir uns aber nicht trauen, lebt der Schurke dieses Films diesen Traum. Dummerweise heißt die Konsequenz, dass er den anderen Personen zuvor das Leben nehmen muss, um dasselbe zu Leben. Nicht überraschend folgt daraus eine Mordserie, und gleich nach dem ersten entdeckten Mord ruft der kanadische Polizeichef das FBI um Hilfe, und das schickt Lara Croft, Angelina Jolie, die mit Vorliebe in Gräbern liegt und Leichen zum Frühstück betrachtet.
Die kanadische Polizei bestätigt mit ihren Fähigkeiten im Folgenden mehrfach die Entscheidung des Polizeichefs mit ihrer erschütternden Inkompetenz bei Hausbewachung und Personenschutz. Ein klein wenig wird sich Freud freuen, weil wir herausfinden, dass die Mutter des Täters an allem Schuld trägt und...

Ach, man kann gar nicht viel mehr erzählen, ohne die Pointe zu verraten (die man aber ohnehin die ganze Zeit erahnt). Ethan Hawke und Angelina Jolie biten ein glaubwürdiges Team, Kiefer Sutherland hat hingegen keine exponierte Rolle, egal, wie groß sein Name auf den Plakaten steht. Die Storyautoren haben sich einiges einfallen lassen, aber eigentlich das Beste am Film sind die ersten paar Minuten. Alles sonstige läuft mit einer gewissen Konsequenz ab, die kaum Raum für echte Überraschungen lässt.
Kurz: solider Film für alle, die das Genre mögen. Für alle anderen: warum Taking Lives, wenn doch Big Fish läuft?

20. April 2004

Twisted

Und ich dachte, nach dem Studiumende werde ich mehr Zeit haben... ganz im Gegenteil, alles ist viel chaotischer geworden.
Wie auch immer, nur damit diese Seite nicht allzusehr verwaist wirkt, und um zu beweisen, dass ich noch da bin, hier ein weiterer Hammerbeitrag aus der Reihe Filme in 50 Worten

Ashley Judd wird Inspektorin in der Mordkomission, doch da macht sie sich schnell viele Feinde. Ihrer erster Job entpuppt sich gleich als eine Mordserie, wobei ihr im Nachhinein auffällt, dass sie mit allen Opfern geschlafen hat. Auch wenn ihr sonstiger Lebensstil eher dazu veranlassen würde, dass sie sich über diesen Zufälligkeit keine Gedanken zu machen bräuchte, da sie ja mit jedem ins Bett hüpft, macht sie sich kurz Gedanken und ersäuft diese dann erfolgreich mit Alkohol.
Schließlich hält sie sich selber für übergeschnappt, und beim ach so überraschenden Ende kommt wieder heraus, wer der tatsächliche Täter ist. Untermalt wird das ganze von einer alten, drohend guckenden Chinesin.

Ein deutlich unterdurchschnittlicher Kriminalfilm. Man hätte einen schönen Psychothriller aus der Grundidee machen können, doch dann wandelt er sich zum sehr konventionellen Krimi-Thriller. Die Schauspieler (neben Ashley Judd Andy Garcia und Samuel L. Jackson) haben wir alle schon mehr leisten sehen, deswegen ist es bedauerlich, dass ihre doch recht ansehnlichen Namen hierfür werben. Mit Taking Lives gibt es zur Zeit eine deutlich bessere Alternative dieses Genres im Kino.

3. April 2004

Philosophie bestanden

Hallo, hier geht es vielleicht chaotisch zu! Da denkt man noch, dass mit den letzten Prüfungen endlich Ruhe einkehrt, aber ich habe noch nichtmal die Zeit gefunden, meine Bücher wieder zu sortieren. Der erste Tag, wo ich ein wenig Zeit gehabt hätte, wäre vorgestern gewesen - aber an einem 1. April Nachrichten zu verkünden ist immer so gewagt...

Also, zunächst, damit es alle wissen (Danke für die vielen Nachfragen, übrigens!) - ja, die Prüfungen sind vorbei, und ich habe sie bestanden! Die mündliche mit einer 1,3, und die beiden Hausarbeiten, die sich auch hier auf der Website einsehen lassen, gar jeweils mit einer 1,0 - sehr zufriedenstellend!
Damit ist mein Studium beendet und ich bin jetzt ganz hochoffiziell Diplom-Informatiker! Das Zeugnis jedoch scheint noch ein wenig Zeit zu brauchen, da meine Diplomarbeit selbst immer noch keine Note hat - ach ja, immer das Selbe. Und jetzt kommt die spannende Suche nach dem richtigen Beruf...
Wünscht mir viel Glück! Und wer von einer interessanten Stelle erfährt, darf es mir gerne flüstern.